Leseecke einrichten

Als wir vor wenigen Jahren in unser Haus zogen, hatten wir für einige Räume bereits Einrichtungslösungen fertig vorbereitet. Es war uns natürlich wichtig, erst mal alles grundsätzlich "bewohnbar" zu machen. Wir haben aber bewusst darauf verzichtet, im Vorfeld die komplette Möblierung und das Design genau festzulegen. Das hat unter anderem dazu geführt, dass es im ein oder anderen Raum auch zwei Jahre nach Einzug noch etwas unvollständig aussah. Und auch, wenn Besucher schon mal mit fragendem Blick vor einer leeren weißen Wand stehen, sind wir davon überzeugt, dass einige Dinge einfach Zeit brauchen. Viele Faktoren lassen sich in der Theorie schwer einschätzen. Das trifft sowohl auf ein einzelnes Zimmer, eine Wohnung und auch ein Haus zu. 

Einige Fragen, die Designentscheidungen wesentlich mitbestimmen können: 

  • Wie wirkt das Licht zu welcher Tages- und Jahreszeit?
  • Von wo hat man Sicht worauf?
  • Welche räumlichen Schwerpunkte hat der Familienalltag?
  • Wo entstehen besondere Wohlfühlbereiche? 

Diese Fragen kann man am sichersten für sich beantworten, wenn man bereits einige Zeit im neuen Zuhause lebt und alle Umgebungsbedingungen kennen gelernt hat. 

Von Unfertig zu Urgemütlich - der Wohnbereich

Diese Fragen haben uns auch in unserem Wohnzimmer beschäftigt. Dort gibt es nämlich eine Nische in der Wand. Diese hat eine Breite von etwa vier Metern und eine Tiefe von nur 80 Zentimetern. Die Architektin wollte uns damit etwas Gutes tun und den Wohnbereich etwas vergrößern. Die geringe Tiefe dieser Wohnbereichsvergrößerung hat uns einrichtungstechnisch einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Anfangs hatten wir hier zwei niedrige Billy-Regale aus unserer vorherigen Wohnung stehen, davor freistehend eine Zweisitzer-Couch. 

Diese Couch war auch unsere einzige Sitzmöglichkeit. Für uns war das ausreichend - bei Besuch wurde es aber sofort schwierig. Und so langsam aber sicher schied der Fußboden als Sitzfläche bei uns und unseren Freunden altersbedingt dann doch aus. Wir dachten also über ein Ecksofa nach, mussten diesen Ansatz aufgrund der bodentiefen Fensteranordnung aber verwerfen. Wir dachten darüber nach, das vorhandene Sofa nochmal zu kaufen und gegenüber zu stellen. Leider war der Bezug aber nicht mehr lieferbar. 

Wir haben uns in diesem Prozess mit folgenden Fragen beschäftigt: 

  • Wie oft benutzen wir die Sitzmöglichkeiten?
  • Schafft die Anordnung die gewünschte Atmosphäre?
  • Wieviele Sitzmöglichkeiten benötigen wir überhaupt?
  • Gibt es Lösungen, die wir in unserem Raum gerne umsetzen würden, die von der aktuellen Möbelanordnung verhindert werden?

Nach weiteren Monaten der "Inspiration" und unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse kam uns der Gedanke eines DIY-Einbauprojekts. Der Suchbegriff "Reading Nook" bietet bei den einschlägigen Social-Media-Anbietern eine Fülle an "Best-practice"-Lösungen. Angepasst an unsere räumlichen Gegebenheiten haben wir uns dann schnell für ein passendes Build-In entschieden. Dann ging es an die Umsetzung.

Schriftliche Planung? Wer macht den sowas...

Ich liebe es, mit Holz zu arbeiten. Bereits mein Vater, damals Verwaltungsbeamter, war in dieser Richtung durchaus interessiert. Er hat mir auch die ersten handwerklichen Kniffe an der Werkbank im Keller beigebracht. Das hat ihn sicher einiges an Nerven gekostet. Das akribische Beamten-Gen habe ich hingegen definitiv nicht geerbt. Das führt regelmäßig dazu, das meine initiale Zeitbudgetierung für ein DIY-Projekt - sagen wir mal - sehr optimistisch ausfällt. Aus zwei angesetzten Wochenenden werden dann schnell zwei bis drei Monate. Es liegt mir auch ferne, alle benötigten Werkzeuge und Materialien in einem gut organisierten Baumarktbesuch abzuhandeln. Stattdessen arbeite ich mich abschnittsweise vorwärts, bis alle Baumarktmitarbeiter bei meinem 27. Besuch ein Spalier bilden. Das ist einfach meine Art zu Handwerken. Love it or leave it.

Der Einbau

Wir lieben Shiplap. Schon die bloße Erwähnung dieses Wortes zaubert Bilder von amerikanischen Farmhäusern mit kuscheligen Decken, frischen Blumen und einem prasselnden Kamin ins Kopfkino. Diese Holzverkleidung, ursprünglich aus dem Schiffsbau (wie der Namen bereits vermuten lässt), ist das perfekte Mittel, um Struktur, Muster und authentischen Charme in jeden Raum zu bringen. Ob als Akzentwand oder als Blickfang - Shiplap aus Echtholz ist vielseitig und einfach zu verarbeiten. Nun ist die Begeisterung für diese Art der Wandverkleidung in Deutschland eher verhalten. Grund dafür ist meiner Meinung nach das deutsche Äquivalent dazu: Paneele. Gefühlte Millionen Quadratmeter Dachschrägen wurden in den 1980er-Jahren mit künstlicher rustikaler Eichenpaneele verkleidet. Der Einsatz von Shiplap kann hier also eine gewisse Gratwanderung sein. Für uns war es in jedem Fall die richtige und authentische Entscheidung.

 

Leseecke DIY-Projekt

Die Bauphase. Um nicht hunderte Löcher bohren zu müssen, habe ich die Shiplaps auf eine Unterkonstruktion geschraubt. Zwar sieht man die Shiplaps erst oberhalb der Sitzfläche, aber aufgrund des hohen Gesamtgewichts habe ich die erste Reihe direkt auf den Boden gesetzt und von dort aufgebaut. Die drei Schubladen sind aus dem IKEA-Küchensortiment. Die Wandkonstruktion ist ein Holzrahmenständerwerk mit beidseitiger Gipskartonverkleidung. 

 

Reading Nook

 

Die Fertigstellung unserer Lese-Ecke hat etwa acht Samstage (inkl. diverser Baumarktbesuche) in Anspruch genommen. Das maßangefertigte Sitzpolster hatte eine Lieferzeit von ca. 8 Wochen und passt farblich und strukturell perfekt zu unserem Sofabezug. 

 

Reading Nook Light 

 

Wandleuchten und Schreibtischleuchte bilden mit ihrem dunkelgrauen Raulack einen schönen Kontrast zum Holz. Die Leuchtenanordnung ist sowohl als allgemeine Beleuchtung als auch zum Lesen konzipiert. Steckdosen auf beiden Nischenseiten dienen zum Beispiel zum Laden von Tablets. Verdeckt hinter den Seitenwänden stehen jeweils drei 40 Zentimeter tiefe Regalbretter für Bücher und Spiele zur Verfügung. Unterhalb der weißen seitlichen Podeste ist Stauraum für Decken und Kissen.  

 

Stauraum schaffen 

Neben den offenen Regalbrettern finden sich unterhalb der Sitzfläche drei Schubladen für Fotoalben, DVDs, Kerzen etc.  

Notfalls ist die Sitzfläche mit 220 Zentimetern auch lang (und breit) genug, um hier einen Gast für eine Nacht zu verstauen. Dann wird die Lese-Ecke zum Alkoven. 

Farbe oder Natur?

Die Lese-Ecke passt perfekt zu uns und in unseren Wohnbereich. Bis zu vier Personen haben hier jetzt eine zusätzliche Sitzmöglichkeit. Wir sind noch nicht sicher, ob wir die Shiplap-Wand streichen sollten.

Weiß, grau, grün - dies ist wieder eine dieser Entscheidungen, die einfach noch etwas Zeit brauchen. 

Zu guter Letzt: 

Gewöhne dich nicht an den "Bewohnbar"-Zustand 

Ein Risiko der eingangs beschriebenen Methode besteht darin, dass man sich an den halbfertigen Zustand gewöhnt. Vergessen sind dann die frühen Ambitionen, das Zuhause in einen einzigartigen Ort zu verwandeln. Das passiert nicht nur nach einem kürzlichen Einzug. Es kann auch der Fall sein, wenn man schon jahrelang irgendwo wohnt und einen Raum aktualisieren möchte, dies aber aus welchen Gründen auch immer nicht tut. Es kann helfen, beim Einzug Fotos sowohl von den leeren Räumen als auch den ersten Möbelarrangements zu machen. Beim Vergleichen der beiden Zustände bekommst du bestimmt bereits neue Ideen, siehst wo noch etwas fehlt oder entdeckst eine Liebe für eine bestimmte Wandfarbe.

Fange einfach an. In den meisten Fällen halten sich Aufwand und Kosten in Grenzen, da es vielleicht nur ein paar zusätzliche Schritte braucht, damit sich der Raum wirklich (endlich) fertig anfühlt. 

 

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